Auszug aus dem Buch: "Abenteuer Hure",
erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf 2003
Angefangen hat es, als ich in einer sehr lockeren und toleranten Partnerschaft mit einem Mann war. Der hat mir damals, vor sieben Jahren, als es das Internet noch gar nicht richtig gab, den Chat „Eden“ im BTX gezeigt. Wir haben dann öfter versucht, ein anderes Pärchen, einen anderen Mann oder eine andere Frau zu finden.Ja, und dann bin ich durch das Lesen der unterschiedlichen Visitenkarten im Chat dahintergekommen, daß die Mädels da alle „Taschengeld“ verlangen. Und da meine Lust ohnehin immer befriedigt werden wollte, war es auch kein Problem, das auch so anzufangen, daß ich halt dann Geld dafür genommen habe. Beruflich arbeite ich als Model für Schmuck und Steckfrisuren und mache nebenher Schaufensterdekoration. Im Grunde war es ganz einfach und auch nichts anderes, als das Ausleben der Lust, wie ich es auch schon mit meinem Partner gehabt habe, denn wie gesagt hatten wir auch vorher schon Partnertausch gemacht, so daß es also nichts anderes war. Und ich halte das im Prinzip auch heut noch so, es ist zwar so, daß ich mehr Dates als früher mache, weil ich auch ein bißchen mehr Freizeit habe als früher, aber die Gäste, die mich kennen, sehen mich auch nicht als Hure oder Hostesse, sondern eher so als die zweite Ehefrau oder Freundin.
Von dem damaligen Partner bin ich aber schon seit sechs Jahren getrennt, was aber nichts mit dem Hobby zu tun hatte, sonder er hat geglaubt, sich in eine andere verliebt zu haben – und so ist es halt auseinandergegangen.
Ich habe jetzt seit einem Jahr eine Affaire, es ist ein rein privates Vergnügen, aber derjenige ist noch verheiratet. Er weiß, was ich nebenher tue und er stärkt mir sehr den Rücken dabei. Wenn sich diese Beziehung vertieft, werde ich das Hobby aber sicher irgendwann aufgeben, denn es ist schon eine sehr innige Liebe, die nicht so ganz normal und alltäglich ist.
Wenn ich mal zurückdenke, jetzt bin ich achtunddreißig, also bis zum dreißigsten Lebensjahr, genieße ich Sex ohnehin ganz anders, noch viel intensiver. Und auch das Verhältnis zum Mann hat sich in keiner Weise verändert. Es ist also keineswegs so, daß ich keinen Respekt mehr vor dem Menschen Mann hätte. Ich liebe und mag Männer eigentlich wie eh und je. Die Gefühle haben sich nicht verändert, gut, ich bin vielleicht auch ein bissel anders gestrickt als andere, die einfach abstumpfen und das ganze fast nur noch wie eine Pflichtnummer oder des Geldes wegen machen. Und der gute Nebeneffekt ist eben, daß man dadurch auch gut verdient.
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