„Sie waren gar nicht hier, hab’ ich Recht?“
Dieses Lächeln, diese Augen, Pia hatte das Gefühl, als würden sie sich lange kennen. Und ganz plötzlich schossen ihr die Tränen in die Augen. Schnell verbarg sie ihr Gesicht in ihren Händen. Es war ihr so peinlich.
„Hey...Was ist denn los? Nicht weinen!“ Sie nahm Pia in den Arm und führte sie in eine Umkleidekabine, es musste ja nicht jeder mitbekommen, was hier los war.
„Ich bin Sandy“, begann die junge Frau. „Wollen wir einen Kaffee trinken gehen?“
Verwundert schaute Pia mit tränennassem Gesicht zu Sandy. „Warum willst du das tun?“, fragte sie schließlich. „Du kennst mich doch gar nicht.“
„Ach, komm’ schon. Ich bin eine gute Menschenkennerin, ich sehe doch, dass du große Sorgen hast. Und ich habe Zeit.“
Pia gab sich einen Ruck. „Na gut. Ich heiße Pia.“ Mit der linken Hand wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht, die rechte reichte sie Sandy und sah sie neugierig an. Sie sah hübsch aus und war sehr sexy angezogen. So würde sie, Pia, sich nie kleiden.
Nach einigen Minuten hatten sie ein nettes Straßencafé gefunden und bestellten sich einen großen Milchcafé.
„Nun erzähl’ mal“, nahm Sandy den Faden auf. „Manchmal ist es leichter, mit jemand Fremden über seine Sorgen zu sprechen.“
„Ich hatte Streit mit meinem Mann.“
„Sicher ging es um Sex“, mutmaßte Sandy.
Irritiert sah Pia sie an. „Wie kommst du darauf?“
„Schätzchen, geht es nicht meistens darum?“ Sandy lachte.
Pia taxierte Sandy. Schätzchen hatte sie gesagt. Sie schien sehr taff zu sein.
„Was machst du beruflich, Sandy?“ Eine Ahnung beschlich Pia, doch hasste sie Vorurteile.
„Ich bin ein Callgirl – eine Hure, würden andere sagen“, antwortete Sandy in ihrer entwaffnenden Art. Pia machte große Augen und schluckte.
„Hast DU ein Problem damit?“ Für Sandy schien es das Normalste der Welt zu sein.
„Ein Problem? Äh, nö. Nicht damit, nur mit dem Sex. Ich könnte das nicht.“
Sandy holte tief Luft und berichtete Pia von ihrer Arbeit, ihrem Hobby, wie sie es nannte. Immerhin konnte sie sich aussuchen, mit wem sie schlief. Außerdem war sie nicht billig, so dass fast ausschließlich „Nadelstreifenträger“ zu ihrer Klientel gehörte.
Das Callgirl
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Das Callgirl
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Vielleicht
schreibt grauhaariger