Mein Modell liegt auf meinem Siebdrucktisch, halbautomatisch, pneumatisch, Rückenlage. Sie sagt, dass sie mir vertrauen würde, alles tun würde, was der Maler, mit ihrer Hilfe, gestalten will, aber auch, dass sie neugierig und äusserst aufgeregt sei. Sie warf mir immer wieder vor, dass ich meine Modelle aus Penthouse, Playboy, Erotikbüchern, In-Zeitschriften wie M A X oder D E R W I E N E R nehmen würde. Ich habe nichts auf den Tisch gelegt, keine Decke, kein Laken, sie liegt auf der kühlen, weissen, mit den unterschiedlichsten, angetrockneten, Farben übersäten Ansaugfläche. Das ist ein Kontrast, den der Zufall schafft, von dem ich noch sehr viel lernen kann, mich aber insofern befriedigt, dass ich ihn wahrnehme. Ich habe sie so platziert, drapiert, dass sie auf den Mittelteil meines, über dem Siebdrucktisch hängenden, Triptychons sieht, sehen muss, dargestellt ein klassisches Fellatio. Rechts von ihr, zur beruhigenden Einstimmung, eines ihrer Lieblingsbilder, "Tommorow, I believe, or...?".
Daneben, zugehörig, da ein zweiteiliges Diptychon, "I think, it`s better. "Nackte Füsse. Das mit dem Slip, das geisterte mir lange durch den Kopf. Sollte sie ihn tragen? Wie integriert er sich in die Gestaltung? Zumal sie eine wunderschöne ausgeprägte Vulva ihr eigen nennt. Ich liebe ihre Haare, und ich will sie doch ganz gestalten. Also keinen Slip. Die Maleraugen wandern von den Füssen über die Unter- und Oberschenkel auf ihren, meinen Lieblingsslip.
Ich habe mich im letzten Augenblick doch anders entschieden. Über ihren Bauchnabel, zu ihren Brüsten. In letzter Zeit habe ich bemerkt, dass sich ihre Nippel sehr oft steil aufrichten, ein Zeichen dafür, dass sie sich intensiver mit ihrem Körper befasst? Ihre Arme liegen links und rechts an ihrem Körper, seltsam, dass beide Hände auf dem Handrücken ruhen, keine Verkrampfungen, nicht zusammengedrückt, oder gepresst, entspannt, völlige Hingabe. Sie zeigt mir ihr Vertrauen. Meine Blicke lösen sich von ihren Nippeln, wandern zu ihrem Mund, der, halbgeöffnet, mich augenblicklich anlächelt. Sie dreht ihren Kopf wieder in Richtung "klassisches Fellatio". Ihre Haare wachsen und haben schon wieder eine respektable Länge erreicht. Diese kurzen, mit Bier bearbeiteten, waren nicht mein Fall, gut, es war aus der Not geboren, aber ein, mein, Modell m u s s lange Haare haben, dass beweisen die unzähligen Frauendarstellungen der unterschiedlichsten alten und neuen Maler, ob Akt oder Portrait. Die Frage nach ihrem momentanen Gefühlszustand beantwortet sie mit einem Lächeln, zu mir nach rechts.
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