Jessi nickt und schlägt die Augen nieder. Nach einer Weile sagt sie:
„Ich frage mich, wie das alles nur geschehen konnte …“
Ja, das frage ich mich auch. Tatsächlich war es aber das Abgefahrenste, was ich bisher erlebt habe. Niemand würde mir diese Geschichte glauben. Nicht mal ich selbst - wäre ich nicht live dabei gewesen.
Zunächst verlief alles ganz normal, nicht viel anders als sonst auch bei Bergwanderungen mit Übernachtung: Eine paar Wanderer, alles wildfremde Leute, treffen sich am späten Nachmittag auf einer kleinen Berghütte. Man isst zu Abend, mehr oder weniger gemeinsam, kommt vielleicht ins Gespräch, manchmal ist’s ganz lustig, manchmal wollen die Leute lieber ihre Ruhe haben. Irgendwann macht man sich dann bettfertig. Ohrstöpsel rein, damit man die Leute neben einem nicht schnarchen oder furzen hört. Und am nächsten Morgen geht's früh raus aus den Federn. Noch ein kräftiges Frühstück und dann ab auf den Trail.
Aber diesmal war alles anders. Vielleicht lag es am perfekten Sonnenuntergang hinter den Bergen, an dem magischen Zwielicht danach, an den ungewöhnlich milden Temperaturen. Vielleicht war auch das zauberhafte Mondlicht schuld, das nachts auf die Hütte schien. Oder es lag einfach nur daran, dass wir alle ein wenig zu viel Wein hatten.
Wir, das waren insgesamt sieben Leute. Nur sieben muss man sagen, denn das ist eigentlich ungewöhnlich wenig für einen Tag mitten im August, in der Sommersaison – auch wenn es sich bei unserer Station um eine unbewirtschaftete Hütte handelte. Sie bot immerhin Platz für bis zu 20 Personen. Wir waren alle ähnlich alt, so um die dreißig, sportlich, lustig, weltoffen. Ich fand die Jungs und die anderen Mädels alle äußerst attraktiv. Und offenbar waren alle auch ziemlich untervögelt. Sonst wäre es nie so weit gekommen.
Wir hatten uns schon beim Abendessen angefreundet. Es entwickelte sich ein netter, unterhaltsamer Abend, wir hatten viel Spaß miteinander. Der Holländer (ich habe leider seinen Namen vergessen) begann schon nach kurzer Zeit, meine Freundin Jessi anzubaggern, und die hat sich nicht lange geziert und nach dem zweiten Glas Rotwein, den die Schweizer mitgebracht hatten, mit ihm auf Teufel komm raus geflirtet. Hannes hat mit Beate geschäkert, was Beat nicht zu irritieren schien, und je mehr Lara ihn anschmachtete, als er von seinem Job als Surflehrer auf Reunion erzählte, desto besser wurde seine Laune. Ich selbst kam mir zwar vor wie das siebte Rad am Gespann, wenn man das so sagen kann, weil sich niemand so offensichtlich an mich heranmachte. Aber so konnte ich in Ruhe das Geschehen beobachten. Ich spürte, wie es zwischen den Leuten immer mehr knisterte. Die Stimmung im Raum war nach einiger Zeit sexuell so aufgeladen, dass eine rollige Katze nur von den Pheromonen im Raum schon Junge bekommen hätte.
Eine magische Nacht
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Eine magische Nacht
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