Ende eines langweiligen Sonntags

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Ende eines langweiligen Sonntags

Ende eines langweiligen Sonntags

Yupag Chinasky

Nach ein paar Minuten hielt ein kleiner Lieferwagen vor der Tür, ein Mann mit einer Handwerkskiste stieg aus, begrüßte mich kurz und machte sich sogleich ans Werk. Schon nach kurzer Zeit hatte er das Abflussrohr wieder befestigt und das Regenwasser erneut in den Kanal, dort wo es hinfließen sollte. Ich war ihm unendlich dankbar, dass er so schnell gekommen war und so rasch den Schaden behoben hatte und wusste gar nicht, wie ich meine Erleichterung zum Ausdruck bringen sollte, außer mit vielen Worten. Ich könnte ihm wenigstens einen Kaffee anbieten, fiel mir ein, und als ich ihn fragte, stimmte er sofort zu. Vielleicht hatte er Lust auf eine Tasse, aber vermutlich wollte er vor allem ein Weilchen mit einer Frau zusammen sein, die nur einen Bademantel anhatte, der längst nicht alles verhüllte. Und so saßen wir dann in der Küche, tranken Kaffee und plauderten. Ich hatte ohnehin nichts vor, hätte mich an einem solchen Tag nur gelangweilt und so war ich über die Unterbrechung durchaus froh. Und auch er, ein Mann mittleren Alters und nicht besonders aufregend, aber immerhin ein Mann, hatte wohl nichts Besseres vor, es war ja Sonntag und seine Werkstatt war geschlossen. Er lebe nach seiner Scheidung allein, erzählte er mir, ohne dass ich ihn aufgefordert hätte, es würde niemand auf ihn warten, er würde nichts verpassen und außerdem, dabei zwinkerte er mich an, was sei an einem langweiligen Sonntag angenehmer, als in Gesellschaft einer schönen Frau zu sein. Als ausgesprochen schön würde ich mich selbst nicht bezeichnen, aber das gewisse Etwas, das Männern gefällt, war durchaus vorhanden. Was er mir sagte gefiel mir, wem gefallen Komplimente nicht, und so machte ich ihm nun auch welche, und nicht nur, weil er sogar an einem Sonntag gekommen sei und wie geschickte und schnell er das verdammte Rohr repariert habe. Ich ließ durchaus durchblicken, dass ich ihn auch als Mann ganz interessant fände und dass der Kaffee in seiner Gegenwart doppelt so gut schmecke. Wir plauderten belangloses Zeig, aber mit einem durchaus eindeutigen Unterton. Der Regen hörte nicht auf, an die Scheiben zu trommeln und wir tranken noch eine Tasse Kaffee und ganz plötzlich stellten sich wieder diese Gefühle in meinem Bauch ein, die ich gut kannte und die mich schon kurz von seinem Erscheinen zu einer Tat getrieben hätte. Wäre das Rohr nicht geplatzt, hätte ich bestimmt einen schönen Orgasmus Eigenmarke gehabt. Ich seufzte tief und beklagte die Trostlosigkeit solcher Tage, an denen man nichts Gescheites machen könne. Er stimmte zu und als er anmerkte, dass man immer etwas machen könne, stand mein Entschluss fest, wie ich diesem Sonntag doch noch eine positive Wendung geben könnte. Das unverbindliche Geplauder fortzuführen war reine Zeitverschwendung, es musste etwas anderes geschehen, denn in meiner Wohnung war ein Mann, den ich zwar kaum kannte und in den ich mich auch kaum verliebt hätte, aber es war ein Mann und er war da und er würde bestimmt nicht abgeneigt sein, mit entgegenzukommen. „Dann tun wir doch etwas“, war meine spontane Antwort und dabei schaute ich ihn sehr provozierend an. Er begriff meine Absicht erst nicht, aber als ich meinen Morgenmantel ein wenig weiter öffnete, ich hatte mich nicht extra angezogen, wozu auch, und er meine nackten Brüste fast gänzlich sah, war auch ihm klar, was ich wollte und was ich von ihm erwartete.

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