Fabians Freundin

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Fabians Freundin

Fabians Freundin

Andreas

Ramona war zufrieden, als sie die Lärmkulisse des Clubs hinter sich ließ. Unter einem klaren Sternenhimmel warf sie einen kurzen Blick auf die Beweisfotos, die sie fein säuberlich abgespeichert hatte. Auch das Video ließ keine Fragen offen. Ramona überlegte, wie sie mit ihrem Wissen umgehen sollte. Sie schätzte Carmen als leichtsinnige, junge Frau ein, die sich wenig Gedanken über ihre Handlungen machte. Im Grunde war sie ein liebenswerter Mensch mit einem Faible für Ausschweifungen. Ramona nahm ihr ab, dass sie ihren Bruder liebhatte. Sie grübelte lange darüber nach, was am besten wäre, um das junge Glück nicht zu zerstören. Letztlich kam sie zu dem Schluss, dass sie sich baldmöglichst mit Carmen unterhalten sollte. Sie fand Carmens Auftritt unverschämt, auch wenn es sich um einen lockeren Abend mit ihren Freundinnen gehandelt hatte. Ramona dachte an ihren Bruder. Fabian gehörte zu den sensibleren Männern, dem Carmens Show sehr zu schaffen machen würde, sollte er davon erfahren. Deswegen machte Ramona sich zwei Tage später auf den Weg zu Carmens Wohnung. Sie besaß tatsächlich eine kleine Einliegerwohnung im Haus ihrer Eltern. Ramona hatte Carmen um dieses Treffen gebeten. Carmen war gespannt, was Fabis Schwester von ihr wollte. Sie sollte es schon sehr bald erfahren. „Hi Ramona! Du sagtest, du willst etwas sehr Wichtiges mit mir besprechen. Ist etwas mit Fabian?“ Ramona hatte sich kaum hingesetzt, als Carmen schon nach dem Grund ihres Besuchs fragte. „Nicht direkt mit Fabi, es dreht sich eher um dich, Carmen. Ich war neulich im “Wild Heart“ und rate mal, wen ich dort auch gesehen habe?“ Carmen errötete. „Wir haben dort einen lustigen Mädelsabend verbracht. Dagegen ist ja wohl nichts einzuwenden.“ Ramona reagierte mit einem kühlen Lächeln. „Eigentlich nicht. Es sei denn, dass bestimmte Grenzen überschritten werden. An diesem Abend war das jedoch der Fall. Wenn du magst, kann ich dir gerne ein paar Impressionen von eurem Mädelsabend zeigen.“ Ramona legte ihr Smartphone auf den Tisch, nachdem sie ihre Foto-Galerie geöffnet hatte. Carmen wurde blass, als sie die eindeutigen Fotos sah. „Es gibt auch ein kleines Video, in dem du die Hauptdarstellerin gibst. Ich glaube nicht, dass es Fabi gefallen wird.“ Carmen schluckte. Sie wusste selbst, dass sie es in dieser Nacht übertrieben hatte. Sie liebte Fabian und sie wollte ihn auf keinen Fall verlieren. „Du musst Fabi ja nichts davon erzählen. Ich verspreche dir auch, dass so etwas nicht mehr vorkommen wird. Ich war ziemlich besoffen an diesem Abend…“ Ramona brachte sie mit einer Handbewegung zum Schweigen. Sie öffnete ihre Handtasche, um aus ihr eine solide Haarbürste hervorzuholen. „Ich bin überzeugt, dass du eine Lektion nötig hast. Wenn du dich damit einverstanden erklärst, werde ich Fabi nichts von eurem Mädelsabend erzählen.“ Carmen ahnte gleich, worauf Ramona anspielte. Die Haarbürste aus dunklem Kirschholz sprach eine deutliche Sprache. Trotzdem fragte Carmen, was Ramona im Sinn hatte.

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ganz mein Geschmack

schreibt Liebhieb

Die Geschichte hat eine gute Balance zwischen Ernst und Humor.

Gedichte auf den Leib geschrieben