Er lief von Haus zu Haus und konnte nur mehr die völlige Teilnahmslosigkeit der Menschen feststellen. Bis zum Abend lag das Dorf vollkommen menschenleer da, nur abends kamen sie aus ihren Häusern und gingen wie Marionetten Richtung Brücke davon. Einige Freunde gingen an ihm vorbei, als würden sie ihn nicht kennen. Als er einen dieser Freunde an der Schulter rüttelte und ihn dieser aus leeren Augen anstarrte, ohne ihn zu erkennen, erfasste ihn das Entsetzen.
Er wusste nicht, was hier vor sich ging, er wusste nur, dass er seine Familie in Sicherheit bringen und die seltsame Veränderung der Menschen hier irgendwo melden sollte.
Am nächsten Tag fuhr er mit seiner Frau und den beiden Kindern mit seinem Pferdewagen und seinen wenigen Habseligkeiten die Hauptstraße entlang um dem Dorf zu entfliehen. Es war spät geworden, die Abenddämmerung senkte sich schon langsam über den Ort, denn es war nicht so leicht, ein ganzes Leben auf einen Pferdewagen zu packen.
Er trieb die beiden Pferde an. Wie es kam, wußte er nicht, doch plötzlich brach das linke hintere Rad ab, der Wagen schwankte bedrohlich und drohte zu kippen. Sie stiegen vom Wagen und begannen, die schweren Kisten und Pakete abzuladen, um nachsehen zu können, wie der Schaden behoben werden konnte. Einige Nachbarn und Freunde gingen an ihnen vorbei, aber sie schenkten ihnen keine Aufmerksamkeit, so als würden sie diese gar nicht wahrnehmen. Er schrie, er winkte, er wandte sich Hilfe suchend an sie, doch sie gingen mit leerem Blick, alle in Richtung des Schwarzen Flusses und der Brücke, weiter. Es war eine lange Kolonne, Männer, Frauen und Kinder, eingehüllt in dunkle Mäntel und Decken.
Inzwischen war es dunkel geworden, die Gestalten nur mehr von rückwärts zu sehen. Sie entschwanden in der sich über die Landschaft senkenden Dunkelheit und verschmolzen mit den Bäumen und der Brücke.
Er stellte fest, dass die rückwärtige Achse gebrochen war. Es war aussichtslos, zu hoffen, heute noch weiter fahren zu können.
Sie beschlossen, im Pfarrhaus Zuflucht zu suchen und gingen ein Stück weiter die Straße hinauf zur Kirche. Die Frau und die Kinder warteten vor der Kirche, er wollte gerade die Stufen zum Pfarrhaus hinaufgehen, als einige schwarze, große Vögel krächzend von der Dorfstraße kommend auf sie zuflogen und sie angriffen.
In der Falle des Meisters
Blut und Begierde - Teil 5
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In der Falle des Meisters
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