Allmählich wurden alle Bewohner des Dorfes in den Bann des alten Schlosses gezogen, es wurden nur die wichtigsten Dinge erledigt und alles Leben verlegte sich in die Abend- und Nachtstunden.
Andreusz und seine Gefährten selektierten genau, wen sie in ihre Gemeinschaft aufnahmen und wen nicht. Die anfangs Kräftigen wurden nur dazu verwendet, sie zu ernähren, wurden als Blutspender gehalten. Sie nahmen an den Festen und Orgien teil, erst, wenn sie dann doch geschwächt waren, ließ er sie in die Reihen derer eintreten, die sich mehr im Jenseits als im Diesseits befanden. Seine Gemeinschaft wurde immer größer. Manche überlebten diese Prozeduren nicht, sie wurden einfach bis zum letzten Blutstropfen ausgesaugt und dann irgendwo im Friedhof verscharrt.
Und er machte sich schon Gedanken darüber, wie er sie zukünftig alle ernähren wird. Er wird sich einen anderen Hort suchen müssen.
Der Pfarrer der kleinen Gemeinde verschwand eines Tages ebenfalls und keiner konnte sagen, ob er selbst ging oder ob er nur von niemandem mehr wahrgenommen wurde. Mit ihm verschwanden auch das Kreuz am Kirchturm und das Inventar im Kirchenschiff.
Reisende blieben fast keine mehr stehen, alle Menschen fuhren durch den Ort, ohne anzuhalten. Er erschien den meisten unheimlich und auch unbewohnt.
Die Dorfstraßen waren bei Tage wie leer gefegt, der Staub wirbelte um die Ecken der Häuser und ausgerissene Büsche ließen sich vom Wind treiben. Wenn doch einmal jemand anhielt, dann wurde auch er in den Bann der nächtlichen Ereignisse gezogen. Manche konnten sich rechtzeitig aus diesem Teufelskreis retten, indem sie sich einfach in ihr Auto setzten und rasch wegfuhren. Einigen gelang das nicht und sie blieben für immer.
Eine einzige Familie widersetzte sich bisher dem allgemeinen Trend. Es war ein Bergbauer, der nur einmal im Monat ins Dorf kam, um Vorräte zu kaufen. Er bemerkte die Veränderung natürlich und sie machte ihm Angst.
Durch die vollkommene Lethargie der Dorfbewohner waren die Geschäfte fast alle geschlossen, der Bäcker buk nur mehr einmal die Woche Brot, im Gasthaus schliefen die Menschen vor Müdigkeit an den Tischen ein. Der Müll türmte sich auf der Hauptstraße und die Tiere in den Ställen brüllten vor Hunger und Durst.
In der Falle des Meisters
Blut und Begierde - Teil 5
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In der Falle des Meisters
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