Mile High Club

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Alina Soleil

Wie gesagt, Lucia zierte sich. Aber ich habe nicht locker gelassen, und schließlich hat sie eingewilligt. Was sicher auch damit zu tun hat, dass ich mich endlich breit schlagen ließ, mit ihr nach Buenos Aires zu fliegen, in die Stadt des Tangos. Lucia liebt Tangotanzen, ich bin da leider eher unbegabt. Der Flug nach Buenos Aires ist nonstop und dauert etwa 13 Stunden. Da sollte sich für uns die eine oder andere Gelegenheit bieten. Und im Gegenzug würde ich mit ihr auf einen Tango-Workshop gehen, auch wenn mir das nicht wirklich viel gibt. Aber ein Deal ist ein Deal. Und so haben wir schließlich den Trip mit allem Drum und Dran gebucht und uns drei Wochen später ins Taxi Richtung Frankfurter Flughafen gesetzt und unser Abenteuer gestartet. Denn das war es: ein Abenteuer. Mit unerwarteten Wendungen. Jetzt, nach dem großartigen Sex in dem frisch bezogenen Bett unseres wunderschönen Hotels in Buenos Aires, bin ich auch wieder entspannt. Aber auf dem Weg dahin war’s für mich eine echte Challenge, um nicht zu sagen: eine Katastrophe. Dabei hatte ich mir das alles so toll ausgemalt, in meiner Fantasie.

Aber jetzt erst mal der Reihe nach.

Als der Tag unserer Abreise kam, hatte ich schon ein flaues Gefühl im Magen. Lucia dagegen war ausgesprochen fröhlich und ziemlich „touchy“, weil sie – wie sie mir später gestand – von unserem Vorhaben ziemlich angetörnt war, obwohl sie ja zunächst überhaupt nicht mitmachen wollte. Auch im Taxi ging sie sehr auf Tuchfühlung, was uns genervte Blicke und einen blöden Kommentar des Fahrers einbrachte.

Am Flughafen vertrieben wir uns die Zeit bis zum Boarding in einem der vielen Schnellrestaurants im Terminal A. Wir bestellten Aperol Spritz und ofenwarme Panini, die überraschend lecker waren. Wenn auch, wie alles am Flughafen, total überteuert.

„Also, wie hast du dir das jetzt konkret vorgestellt?“, fragte Lucia und biss herzhaft in ihr Brötchen. „Isch meine, scho rein praktisch“, ergänzte sie einigermaßen undeutlich mit vollem Mund.
„Na ja, wir könnten uns ja gegenseitig unter der Decke ... so mit den Händen ...“, sagte ich etwas zaghaft und so leise, dass es die Leute an den Tischen nebenan nicht mitbekommen. „Ich habe mal etwas dazu in so einem Sexratgeber gelesen. Im Flieger bekommt man ja für die Nacht eine Decke, und darunter könne man unkompliziert und vor allem unbemerkt fummeln. Ich glaube, das stand in so einem Buch extra für Frauen, mit Tipps, wie sie Männern einen besonderen Kick bereiten können.“

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