Pas de deux

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Pas de deux

Pas de deux

Ludique

Ich war nicht begeistert als ich die Einladung in meinem Briefkasten fand. Siedlungsfeste - damit verbinde ich schwarz verkohlte Grillwürstchen, Zwangsverbrüderung mit Nachbarn, die die Gelegenheit nutzen, ihren bierschweißigen Handabdruck auf meiner nackten Schulter zu hinterlassen, und Alleinunterhalter, deren Repertoire so unvermeidbar wie das Verhängnis in der griechischen Tragödie auf „Rosamunde" und die „Polonaise Blankenese" hinsteuert. Nein, ich hätte den Abend gut brauchen können, um ein paar mehr Kisten auszupacken und über die optimale Platzierung meiner Bildersammlung an den noch kahlen, frisch getünchten Wänden der Wohnung zu meditieren. Aber ich wollte nicht arrogant wirken. Ich lebte erst wenige Tage hier.

Neuer Job, neue Stadt - das letzte Jahr war hart gewesen, mein Leben sozusagen neu formatiert worden, und ich fühlte mich ziemlich gegen den Strich gebürstet. Die Personalabteilung hatte den Mietvertrag besorgt - keine Ahnung, wer welche Fäden gezogen hatte, denn die Wohnungen in diesem architekturpreisgekrönten Siedlungsprojekt waren begehrt und die Nachbarn, die ich bis jetzt getroffen hatte, offen und unkompliziert. Darum knirschten meine Zähne nur leise, als ich meinen Beitrag zu den Festkosten in einen Umschlag steckte und in den angegebenen Briefkasten warf.Es dämmerte schon stark, als ich auf den Hof trat, den die Architekten für solche Events vorgesehen hatten. Einen Moment lang zögerte ich. Das Fest war in vollem Gang, um die Mitte des Platzes, auf der getanzt wurde, drängten sich Gruppen lachender und lebhaft redender Leute, von denen ich kaum jemanden kannte. Es störte mich nicht wirklich, Außenseiterin zu sein, im Gegenteil, ich lächelte insgeheim über die verstohlen neugierigen Blicke, die mich trafen. Und da kam es ...

Wie viel Zeit war vergangen, seit ich das Stück zum letzten Mal gehört hatte? Zwei Jahre oder mehr... Santa Monica, 3rd Street Promenade, ein Sonntagabend im Frühling... Auf der Straße hatten die Leute getanzt - aus purer Freude am Leben, an der Musik, an den Bewegungen ihrer Körper... Ich tauchte ein in die tanzende Menge wie in ein warmes Bad. Es war kein Problem, dass ich keinen Partner hatte, ich war nicht die einzige, die frei tanzte. Jede Befangenheit fiel von mir ab. Ich bin ich, ich bin ganz, wenn ich tanze, es gibt nur eine Situation, in der ich meinen Körper, seine Kraft und seine Lust mehr spüre: beim Sex.Es wurde voller auf der Tanzfläche, enger. Für einen Wimpernschlag nur hatte ich die Augen geschlossen, um mich ganz auf die Musik zu konzentrieren, aber es reichte, dass ich die Orientierung verlor und meine Drehung nicht richtig berechnete. Ich strauchelte und sah mich schon wie in einem Déjà-vu auf dem Boden liegen, doch ich wurde gerettet...

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