Gedämpftes Licht erfüllte das Foyer des Hotels. Aus dem Hintergrund drang dezente Musik. Die Ober schienen über den Teppichboden zu schweben. Auch die Stimmen klangen nur wie ein angenehmes Flüstern. Das war wirklich etwas anderes als der Landgasthof im Bayerischen Wald, in dem Cornelia manches Wochenende verbracht hatte. Immer noch ungläubig staunend räkelte sie sich in dem tiefen Sessel und nippte an ihrem Begrüßungscocktail. Sie hatte einen "Mongolfiere" bestellt, sie war in einem Haus in der französischen Schweiz, und der Kellner, ein fast zu profaner Name für sein vornehmes Auftreten, hatte sie "Madame" genannt. Sie hatte Lust, die Orangenscheibe, die auf den Glasrand gesteckt war, in den Mund zu stecken und genussvoll ihren Saft zu lutschen, aber das war hier bestimmt verkehrt. Wie Aschenputtel, das sich für drei Tage in eine Prinzessin verwandeln durfte, kam sie sich vor. Und das nur, weil sie in einer Modezeitschrift bei einem Preisausschreiben für Haar Shampoo mitgemacht und ein Beauty- und Sport-Wochenende in dieser Luxusherberge gewonnen hatte. Sie sah auf die Uhr und ging in ihr Appartement, das einen überwältigenden Blick auf die Alpen hatte, die in der untergehenden Sonne in ein glutrotes Samttuch gehüllt waren. Ein Blumengesteck und eine kleine Flasche Champagner in einem Sektkühler warteten auf sie. Auf ihrem Kopfkissen lag eine verführerische Leckerei.
Unschlüssig stand sie vor dem Schrank, in den sie ihre wenige Kleidung gehängt hatte. Es waren ihre besten Stücke, und sie wählte ein schlichtes anthrazitfarbenes Kostüm mit einer silbern durchwirkten Bluse. Im Speisesaal führte sie ein Ober an einen Tisch für zwei Personen, der nicht irgendwo in der Nähe des Durchgangs zur Küche stand, ein Platz, der üblicherweise weiblichen Singles vorbehalten bleibt, sondern in einer lauschigen Ecke, von der Cornelia einen guten Überblick hatte, obwohl die zahlreichen hohen Pflanzen viele Gäste vor allzu neugierigen Blicken ihrer Nachbarn schützten. Nun kam sie sich noch mehr wie ein Aschenputtel vor, als sie die Garderobe der etwa fünfzig Menschen musterte, die den Raum füllten. Ein kleines schwarzes Cocktailkleid wäre das Mindeste gewesen, aber Designer-Stücke konnte sie sich bei ihrem Gehalt als Sekretärin nicht leisten. Auch die Männer trugen dunkle Jacketts und Krawatte.
Sonne, Sex und Sauna
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