Terror im Stinkernet

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Terror im Stinkernet

Terror im Stinkernet

Patricia Lester

Was war doch alles Gute aus Amerika gekommen? Angefangen von Kola, Kaugummi, Kriegen und Clinton, der ... Na, die Geschichte ist bekannt. Aber dann tauchten andere Begriffe in dem so beliebten Denglisch auf, die seit der Wende auch in den vereinigten Sprachgebrauch aufgenommen wurden. Die wirtschaftliche Kopulation der Wessies mit den Ossies, oder war es eher umgekehrt die Prostitution?, steigerte sich zu den seltsamsten Blüten. In diese fantasmagorische Scheinwelt schlich sich eine neue Krankheit des zivilisierten und perfekt organisierten zweiten Jahrtausends ein. Das waren die Messies. Die Amerikaner brachten das auf einen Punkt: Menschen zwischen Müll und Misere, besessen von einer wahren Sammelleidenschaft. Sie lebten in einem Haushalt, in dem sich alles anhäufte, von leeren Jogurtbechern bis zum abgelaufenen Lottoschein, alles war da und stapelte sich in der Wohnung.Rosamarie hielt missmutig die Dose mit dem Fischfutter über das Bassin. Sie war von einem ähnlichen, doch viel stärkeren Problem betroffen. Guppy, Gurami und ihr Raspora änderten die Schwimmbewegungen, schnappten nach dem Futter und starrten mit ausdruckslosen Augen wieder an das grün und blau phosphoreszierende Glas.
„Fisch müsste man sein, eine jener trägen Kreaturen, die tagtäglich ihre Kreise ziehen in dem schützenden Wasser, unbeirrt von den Wogen ...“ Rosamarie schüttelte unwirsch den Kopf. Sie war sentimental. Kein Wunder. Aber so schmalzige Betrachtungen beim Anblick sexneutraler Fische, das war lächerlich und auch bedenklich.
Rosamarie – oder sollte sie lieber ihren virtuellen, nämlich den Online-Namen „MagicRose“ benützen? - war auch nur einer jener bedauernswerten Messies, wenn sie ehrlich war. Nur mit einer anderen Duftnote. Was sie in den letzten Wochen im Internet erlebt und gesammelt hatte, war mehr als Müll und Misere, war blanker Terror. Wie schön, dass die Amerikaner auch für diese Abart menschlichen Verhaltens einen Ausdruck wussten: „Screwing-Trucker“ gehörte in die Kategorie der „Stalker“, die sich dem Objekt ihrer Begierde langsam und vorsichtig näherten, mit ihren Tintenfischklauen anfangs lieblichen Saft versprühten und dann ...

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