Yesterday

42 4-8 Minuten 0 Kommentare
Yesterday

Yesterday

Andreas

Nachdem die ersten Sonnenstrahlen das Wolkengrau durchbrochen hatten, kehrten auch meine Lebensgeister zurück. Ich hatte schon im vorigen Jahr den Plan gefasst, meinen Keller aufzuräumen. Nachdem es nun für mich keine Ausreden mehr gab, um in der warmen Wohnung zu bleiben, schloss ich endlich die Kellertür auf. Es waren Jahre vergangen, in denen ich nichts mehr aussortiert hatte. Zwei Umzugskartons mit Fotos, die noch aus dem Nachlass meines Vaters stammten, blockierten den Eingangsbereich. Es war klar, dass ich hiermit beginnen musste. Ich brachte die Kartons in den Kellerflur, wo ich einen Blick ins Innere werfen konnte. Die meisten Fotos waren in Alben geordnet, aber ich fand auch genügend Bilder, die offen in den Kartons lagen. Während ich einige der alten Fotos in die Hand nahm, um sie näher zu betrachten, begann ich allmählich in der Zeit zurückzureisen. Auf die Bilder aus meiner frühesten Kindheit folgten die ersten Schuljahre, bis ich auf ein bestimmtes Klassenfoto stieß. Ich legte die anderen Fotos in den Karton zurück, um mich intensiver mit meinem Fund befassen zu können. Das Foto stammte aus der Zeit, als ich die Höhere Handelsschule besuchte, mit dem erklärten Ziel, die Fachhochschulreife zu erlangen. Während ich die Gesichter meiner Klassenkameradinnen und natürlich auch Kameraden studierte und versuchte, sie mit einem dazu passenden Namen zu versehen, schlich sich eine Person in meine Erinnerung, die gar nicht auf dem Foto zu sehen war. Ich setzte mich auf einen der ungeöffneten Umzugskartons, da mir leicht schwindlig wurde. Nachdem ich mehrere tiefe Atemzüge gemacht hatte, kümmerte ich mich erneut um die Fotos. Ich suchte eine Weile, bis ich sie gefunden hatte. Es handelte sich um ein unscheinbares Passfoto, das ein wunderschönes Mädchen zeigte. Mir stockte für einen Moment der Atem, als Lucia mir ihr Lächeln schenkte. Lucia! Wie viel Zeit war seither vergangen?

Wir begegneten uns Anfang der 1980er Jahre in einer Diskothek. Lucia fiel mir sofort auf, wie sie mit ihrer älteren Schwester die Treppe hinunterstieg, die in den schummrigen Keller-Club führte. Ich stand an einem Flipper, den ich mit gekünstelter Lässigkeit bearbeite. Man musste die Stöße sorgsam dosieren, damit der Automat nicht tilte. Tilt bedeutete, dass der Flipper sämtliche Funktionen einstellte, wenn man ihn zu heftig malträtierte. Das passierte mir genau in dem Moment, als Lucia an mir vorbeiging. „Das sagt man nicht!“, tadelte sie mich, nachdem ich ein lautes „Scheiße!“ von mir gab. Sie grinste frech, ohne mich weiter zu beachten. Ich starrte ihr entgeistert hinterher. Sie bewegte sich grazil, wobei meine Augen ihre schlanken Beine und natürlich auch ihren runden Po bewunderten. Das leicht gewellte, dunkelbraune Haar fiel weit über ihre Schultern hinab, bis die Haarspitzen ihren unteren Rücken berührten. Sie war eine Schönheit mit südlichem Flair, wobei sie sogar ihre ebenfalls sehr hübsche Schwester noch übertrumpfte.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 3683

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben