Pete sah sich im Spiegel an, der eine Wand des Zimmers einnahm, und in dem er sich vom von oben bis unten, von allen Seiten, betrachten konnte. Er gefiel sich. Da gab es nichts, was einen Makel aufwies. Dennoch war er immer wieder gescheitert.Beim letzten Anlauf zu einer Beförderung, einer Gehaltserhöhung, war er wirklich direkt geworden, hatte seine Scheu abgestreift und all seine Vorzüge genannt.
Er arbeitete rein körperlich, gönnte sich nichts und setzte all seine Kraft ein. Sätze fielen ihm ein, die er voller Überzeugung gesagt hatte:
„Sie dürfen nicht vergessen, ich stürze mich immer mit dem Kopf zuerst in meine Arbeit, habe keine Angst vor großen Tiefen, ohne Rücksicht auf Wochenenden und Feiertage, und das das ganze Jahr hindurch.“
„Und was noch?“ Die Antwort war so gleichgültig wie bei einer dieser unpersönlichen Telefonansagen.
„Ich arbeite in ständig feuchter Umgebung, an dunklen Plätzen, der Gefahr einer ansteckenden Krankheit stets bewusst. Doch nie habe ich mich beklagt.“
„Richtig, doch das tun eine Menge anderer Männer auch, die den Job besser erfüllen.“
Pete hätte sein Gegenüber umbringen können. Doch er durfte diese Stelle nicht verlieren. Er war dringend darauf angewiesen.
„Bitte vergessen Sie nicht den tagtäglichen Druck meiner psychischen Belastung, dem ich mich unterwerfe, das unterschiedliche Tempo, das mir abverlangt wird. Und wenn ich sagen sollte, dass es Arbeitsplätze mit viel attraktiveren, leichteren Bedingungen gibt, dann heißt es, ich könne gleich gehen, ohne dass nur ein Wort darauf verschwendet wird, ob ich nicht ein paar Mark mehr bei meiner Leistung verdienen könnte. Und eine fristlose Kündigung, bloß weil ich hier ehrlich bin, ist auch ungerecht.“
„Sie haben sich doch schon an anderen Stellen umgesehen. Etwa nicht? Und haben Sie da nicht versagt? Und Sie haben gedacht, dort ist alles viel leichter, einfacher, mit weniger Einsatz das Gleiche oder Besseres zu bekommen?“
„Meinetwegen, Sie haben Recht. Ich möchte auch hier bleiben, aber vielleicht könnte ein wenig mehr für mich herausspringen?“ Pete hatten die letzten Worte alle Kraft gekostet. Auf diesem konkurrenzreichen Markt hätte er den Mund nicht so aufreißen sollen. Ein adäquater Nachfolger stand sofort bereit. Er wand sich unbehaglich auf seinem Stuhl.
Zwiegespräch mit einem Freund
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